13.09, 12:00–12:30 (Europe/Berlin), c-base mainhall
Sprache: Deutsch
Likes, Views und Follower gelten heute als Erfolg. Doch Reichweite ist oft nur ein schöner Schein. Plattformen zeigen Zahlen, keine Wirkung. Wir erklären die Reichweitenlüge und warum uns Algorithmen und Ego-Metriken in passiven Konsum ziehen. Und wir fragen, wie wir stattdessen echte Resonanz, Beteiligung und politisch wirksame Kommunikation schaffen können.
Reichweite ist zur Social-Media-Leitwährung geworden. Wer viel gesehen wird, gilt als erfolgreich.
Doch stimmt das wirklich? Verändert ein virales Video mehr als eine lokale Initiative? Sind Millionen Klicks politischer als ein Gespräch am Küchentisch? Und warum glauben wir den Zahlen, die uns Instagram, TikTok und Co. anzeigen?
Die versprochene Reichweite der Hetzwerke ist eine Illusion. Sie misst Kommunikation mit Kriterien, die uns nicht entsprechen. Ihre Botschaft: Kommunikation ist dann gelungen, wenn man im Wettkampf um Aufmerksamkeit möglichst viel Furore macht.
Sichtbarkeit ist nicht gleich Einfluss. Aufmerksamkeit erzeugt noch keine Öffentlichkeit. Und Menschen zu erreichen heißt nicht, Menschen zu bewegen. Plattformen verstärken Trends, aber keine Verantwortung.
Wir sprechen über die Reichweitenlüge und ihre Mechanismen: über Algorithmen, Survivorship Bias, die „Jeder-kann-es-schaffen“-Erzählung und wie unsere Psyche gegen uns ausgespielt wird. Und was wir dem entgegensetzen können.
Im Fediverse können wir andere Maßstäbe entwickeln: echte Öffentlichkeit statt Zuschauerzahlen, Dialog statt Konsum und Beteiligung statt Selbstdarstellung. Kommunikation braucht Resonanz. Es geht nicht darum, dass möglichst viele Menschen Inhalte konsumieren, sondern darum, dass Menschen mitdenken, diskutieren und mitmachen.
Zeit, unsere Hirne von Metriken zu befreien, die geschaffen wurden, um Aufmerksamkeit zu verkaufen.
Leena Simon ist graduierte Philosophin, IT-Beraterin, Netzphilosophin und Autorin. Sie beschäftigt sich mit digitaler Mündigkeit und Technikpaternalismus und arbeitet für Digitalcourage e.V., sowie als freie Referentin.